Bauzinsen Entwicklung - Zins-Chart-Tool

Entwicklung der Bauzinsen im Mai 2013

Erneute Zinssenkung – ist der Boden nun erreicht?

Am 2. Mai 2013 hat die EZB (Europäische Zentralbank) erneut eine Zinssenkung des Leitzinses um 0,25 Prozentpunkte auf nun nur noch 0,5 Prozent vorgenommen. Am 8. Mai wird der Zins für die Spitzenrefinanzierungsfazilität um 0,5 Prozentpunkte auf nur noch 1 Prozent gesenkt. Die EZB trägt damit der zunehmenden Sorge um die Konjunkturlage in Europa Rechnung: Die schlechte Wirtschaftslage in den „Krisenstaaten“ (wie Griechenland, Spanien oder Portugal) könnte auch den „großen Gläubiger“ Deutschland einholen. Mit der erneuten Zinssenkung will man – entgegen allen Inflationssorgen – dafür sorgen, dass weiter billiges Geld für Kredite zur Verfügung steht und die Konjunktur wieder aufleben kann. Doch die Situation wird aller Wahrscheinlichkeit nach kaum bei den Kreditkonditionen für Unternehmen oder für Immobilienvorhaben ankommen – mit Sicherheit gar nicht bei den lateineuropäischen Staaten und auch nur bedingt in Deutschland. Die Geschäftsbanken können sich zwar nun noch billiger mit Geld der Zentralbank eindecken, doch die Bedenken, höhere Risiken durch vermehrte Kreditvergaben einzugehen, haben in der Branche noch immer einen bestimmenden Einfluss. Eine Übertragung der Niedrigzinspolitik auf die Wirtschaft erfolgt daher zögerlich bis gar nicht. Letztlich sehen einige Experten sogar eine Schwächung des Außenwertes des Euro durch die lockere Zinspolitik, da viele Investoren lieber in starke Währungen investieren – z. B. in den Schweizer Franken.

Bauzinsen werden nicht billiger

Das oben dargestellte Szenario verdeutlicht, warum der Einfluss der jüngsten Leitzinssenkung auf die Bauzinskonditionen keinen messbaren Einfluss haben wird. Das – unter historischer Betrachtung – noch immer sehr günstige Bauzinsniveau wird auf diesem Level bleiben, ggf. sogar leichte Anstiege in den nächsten Wochen und Monaten aufweisen. Die ohnehin hohe Geldmenge und das große Volumen an vorhandenen Baufinanzierungen werden die Geschäftsbanken bei der Neukreditvergabe eher bremsen denn beflügeln. Hinzu kommen die beschlossenen Richtlinien im Zuge der Verschärfung der Bankenpolitik: Eine höhere Eigenkapitalbasis ist für Geschäftsbanken erstrebenswert, um in erneuten Krisenfällen eine bessere Grundlage zu besitzen. Die derzeitige, lockere Geldpolitik der EZB führt nicht zu einem erstarkenden Vertrauen in die Euro-Währung – vielmehr werden finanztechnische Sicherungsmechanismen und die Abwanderung in andere Währungsräume für Anleger und Banken attraktiver.

Baufinanzierungen unbedingt zeitnah realisieren

War ein Engagement in Immobilien sowieso geplant, sollte möglichst nicht mehr zu lange abgewartet werden. Die Rahmenbedingungen für wieder ansteigende Zinsen beginnen sich abzuzeichnen. Trotzdem kann natürlich keine sichere Zukunftsprognose abgegeben werden – es ist jederzeit denkbar, dass weitere Einflüsse zu wieder stagnierenden Tendenzen führen. Doch viele Anzeichen deuten derzeit auf eben wieder anziehende Bauzinsen hin: Die Krise in Italien, die neuen Schwierigkeiten Spaniens und weitere Problematiken der am stärksten betroffenen Krisenländer in Europa erhöhen die Wahrscheinlichkeit auf die Unterstützung der Gemeinschaft. Müssen neue Gelder fließen, werden die Zinsen für z. B. deutsche Staatsanleihen anziehen – dies wäre ein klarer Indikator für ebenfalls ansteigen Bauzinsen, die meist innerhalb weniger Wochen nachziehen. Mit einer sowieso geplanten Kreditaufnahme abzuwarten, avanciert damit zu Vabanquespiel. Gerade bei Immobilienfinanzierungen und den damit verbundenen, starken Gesamtbelastungsunterschieden bei anziehenden Zinsen (wegen der hohen Darlehenssummen) ist ein Abwarten aus markttechnischer Sicht unnötig.

Die aktuelle Marktsituation und die Bedeutung von Expertenprognosen

Die Entwicklung von Bauzinsen kann niemand wirklich vorhersagen. Es gibt viele Fachleute und fast ebenso viele Meinungen. Trotzdem bildet sich meist eine Grundtendenz aufgrund der Einschätzungen von fachlich versierten und erfahrenen Finanzmarktteilnehmern anhand der aktuellen Situation an den Märkten sowie dem entsprechenden Umfeld. Gerade in der aktuellen Situation ist es jedoch äußerst schwierig, eine einheitliche Tendenz auszumachen, denn die Märkte – und vor allem die Zukunftsaussichten – sind doch extrem unsicher. Die letzte Finanzkrise ist noch immer in manchen Auswirkungen zu spüren. Ehemals aufstrebende Länder wie Spanien oder Italien stehen am Rand der Insolvenz und immer mehr Unsicherheiten belasten die europäische Einheitswährung. Das aktuelle Zinstief bei Immobilienfinanzierungen dauert mittlerweile viele Monate an und die Interessenten hatten genügend Zeit, sich nach entsprechenden Möglichkeiten umzutun. Es ist nun an der Zeit, eine Entscheidung zu fällen. Noch weiter fallende Bauzinsen sind nicht zu erwarten, denn wie am aktuellen Beispiel zu sehen, bewirken auch Leitzinssenkungen kein weiteres Abfallen der Finanzierungskonditionen. Es sollte nun eine optimal passende Finanzierung ausgewählt und vertraglich fixiert werden, sofern alle persönlichen Voraussetzungen gegeben sind.

Weitere Entwicklung an den Finanzmärkten fraglich

Finanzierungsinteressenten sollten sich nicht an spekulativen Erwartungen im Finanzmarkt beteiligen. Wie die weitere Zinsentwicklung aussehen wird, hängt insbesondere vom Fortschritt der in Finanznot geratenen Euroländer, aber auch von der Entwicklung der Konjunktur in den wichtigsten Staaten Europas und der Vertrauensbildung ausländischer Investoren ab. Derzeit sind Bauzinsen so günstig wie selten zuvor. So können derzeit Immobilienfinanzierungen mit 30-jähriger Zinsbindung ab etwa 3 %, bei 20-jähriger Zinsbindung um die 2,8 % - je nach Darlehenssumme, Beleihungsauslauf und Bonität – beantragt werden.

Fazit: Bauzinsen eher steigend erwartet

Es macht auch deshalb wenig Sinn, auf noch tiefere Zinsen zu spekulieren, weil viele Experten eher der Ansicht sind, dass die Zinsen mittelfristig wieder anziehen werden. Bis 2014 wird allgemein eine Zinsniveausteigerung erwartet. Selbst weitere Zinssenkungs-Schritte der EZB würden voraussichtlich keinen Einfluss auf die Höhe der Bauzinsen zeigen. Möglicherweise (je nach individueller Situation) macht es daher auch Sinn, die Konditionen für eine zukünftige Hausfinanzierung schon jetzt zu fixieren – dies ist für bis zu 5 Jahre mittels eines Forward-Darlehens möglich.

Wer kalkulatorische Sicherheit möchte und die momentan günstigen Zinsen dabei möglichst lange „konservieren“ möchte, der sollte sich für lange Zinsbindungen (über 15 Jahre) entscheiden. Die derzeitigen Aufschläge für eine lange Zinsbindung (im Vergleich zu einer eher kurzen Zinsbindung) sind angemessen, wenn man bedenkt, dass hierdurch insgesamt günstige Zinskonditionen über viele Jahre hinaus gesichert sind – zum Vorteil des Darlehensnehmers. Es empfiehlt sich insbesondere für Nicht-Fachleute, einen unabhängigen Fachberater zu konsultieren – er kann in Anbetracht der momentanen Lage am Finanzmarkt und unter Einbezug der persönlichen Situation eine möglichst optimal ausgerichtete Finanzierungsplanung erarbeiten.

Tendenz

Kurzfristig (4 Wochen): seitwärts
Mittelfristig: seitwärts

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Zinsbindungsfrist

Die Zinsbindungsfrist ist ein bestimmter Zeitraum zwischen 5 bis 20 Jahren. Für diesen Zeitraum wird ein fester Zinssatz für ein Darlehen mit der Bank vereinbart.

Im Anschluss dieser Zeit greift man in der Regel auf eine Anschlussfinanzierung (auch Anschluss-Kredit, Forward-Darlehen oder Umschuldung genannt) zurück.