Leitzins - Leitzinsentwicklung in der Eurozone

Leitzinsentwicklung EurozoneUnter dem Begriff „Leitzins“ versteht man den Zinssatz, zu dem Geschäftsbanken sich über die jeweilige Zentralbank refinanzieren können. Die in Europa maßgebliche Institution ist dabei die Europäische Zentralbank (EZB). Sie gibt den Leitzins als Steuerungsmaßnahme für eine stabilitätsorientierte Geldmarktpolitik vor und greift so indirekt in das Marktgeschehen ein. Wird beispielsweise eine Leitzinssteigerung bekannt gegeben, so verteuern sich die Kosten für Fremdkapital, was letztlich an jeden Kreditnehmer über höhere Kreditzinsen weitergegeben wird. Gleichzeitig werden (meist jedoch nur verzögert weitergegeben) Spareinlagen besser verzinst, da die Attraktivität für die bankeninterne Teilrefinanzierung über Kundeneinlagen erhöht wird.

Welche Ziele werden mit der Leitzinsanpassung verfolgt?

Die wichtigsten Ziele der Leitzinssteuerung durch die EZB sind in der Währungsstabilität, Inflationsbekämpfung und Kapitalmarktsteuerung beheimatet. Die Währungsunion soll so im währungspolitischen Gleichgewicht gehalten werden, was letztlich den Wohlstand und die Wettbewerbsfähigkeit aller involvierten Länder bedeutet. Nicht immer jedoch erreichen Leitzinsanpassungen den gewünschten Effekt oder die Auswirkungen treten zu spät ein.

Die Auswirkungen der Leitzinsanpassung

Zu beobachten war dies sehr gut bei der Finanzkrise ab 2007, deren Ursache auf den Immobilienmarkt in den USA zurückzuführen war. Obwohl der Leitzins in Europa immer weiter gesenkt wurde, traten die erwünschten Folgen (Belebung der Konjunktur, Ankurbelung der Wirtschaftstätigkeit) marktpsychologisch bedingt erst sehr verzögert und nicht im gewünschten Umfang ein. Die Folge war eine Verstärkung und Verlängerung der Krise, die streng genommen noch immer nicht ausgestanden ist. Für Immobilienkäufer und Bauherren bedeuten Leitzinssenkungen einer stark erhöhte Attraktivität für das Finanzierungsprojekt, da die Zinsaufwendungen im Zuge sinkender Darlehenszinsen sehr viel geringer ausfallen. Trotzdem dürfen Kreditinstitute auch bei steigender Nachfrage die Kreditprüfung und die Bewilligungskriterien nicht leichtfertig handhaben. Dies führte letztlich zur Subprime-Krise in den USA, da viele Kredite für finanzierte Objekte nicht mehr zurückgezahlt werden konnten und so eine extreme Schuldenlast zur Konjunkturbremse avancierte.

Ein dauerhaft niedriger Leitzins wird die Konjunktur nur dann (und immer nachgelagert) beleben, wenn die Kriterien für geliehenes Geld auch gewissenhaft geprüft werden. Es besteht eine grundsätzlich kontroverse Wirkung des Leitzinses, die durch laxe Kreditvergabe potenziert wird.

Das folgende sehr stark vereinfachte Beispiel soll diesen Zusammenhang verdeutlichen:

Angenommen, eine Bank refinanziert 1 Million Euro über einen niedrigen Leitzins bei der EZB, so erhält sie 1 Million frische Euro (natürlich nur immateriell), generiert durch die EZB. Dieses Geld muss theoretisch mit Zinsen zurückgezahlt werden, wobei die Zinsbeträge nicht durch die EZB generiert wurden, also eigentlich nicht existieren (da nur die EZB Geld ausgeben darf). Diese fehlenden Schuldbeträge werden durch expansive Kreditvergaben und dem damit verbundenen erhöhten Refinanzierungsbedarf der Geschäftsbanken noch vergrößert. Das Ergebnis sind immer höhere Staatsschulden, da die fehlenden Beträge zwar in der Praxis zunächst umverteilt werden, letztlich aber nicht dem Wirtschaftskreislauf zugeführt werden können, weil sie nicht existieren.

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