Zwei-Klassen-Medizin?

Dienstag, 11. November 2008

Der immer wieder in Politik und Medien gebrauchte Begriff der „Zwei-Klassen-Medizin“ zeigt, dass die Menschen befürchten, nicht mehr mit allen notwendigen medizinischen Leistungen versorgt zu werden. Dabei rückt vor allem die private Krankenversicherung ins Schussfeld, da dieser oft vorgeworfen wird, dass ihretwegen gesetzlich Versicherte bei Behandlungsfragen hinten anstehen. Dabei wird allerdings oft vernachlässigt, dass das Gesundheitswesen vom Wettbewerb abhängig ist und sich die Schere des theoretisch medizinisch Möglichen und real Bezahlbaren immer weiter öffnet. In der gesetzlichen Krankenversicherung ist die Pflichtversorgung festgelegt, jedoch sollte hier geprüft werden, ob deren Niveau ausreichend ist und Schwerpunkte richtig gesetzt sind. Menschen, die eine private Krankenversicherung abschließen, sind willens und fähig, für zusätzliche oder höherwertige Behandlungen mehr zu zahlen und daran sollten sie auch nicht gehindert werden. Denn eine private Krankenversicherung bedeutet mit eigenen finanziellen Mitteln über die Grundversorgung hinaus medizinische Leistungen zu erhalten.

Der geflügelte Ausdruck „Zwei-Klassen-Medizin“ wird daher oft fälschlicherweise benutzt, da er die Leistungsunterschiede anprangert, die aber im Wettbewerb vollkommen legitim sind. Eine wirkliche „Zwei-Klassen-Medizin“ würde erst dann auftreten, wenn die private Krankenversicherung mit ihren über die Grundversorgung hinausgehenden Leistungen die bestehende Grundversorgung negativ beeinflusst.

Doch genau diese negativen Effekte liegen in Deutschland nicht vor. Objektiv betrachtet trägt nicht die private Krankenkasse Schuld an vermeintlichen Benachteiligungen, nur weil sie Leistungsangebote bereitstellt, die außerhalb der Grundversorgung liegen – sondern der Gesetzgeber. Wenn die Leistungspalette für gesetzlich Versicherte verbessert werden soll, muss das Niveau der Grundversorgung steigen oder den Menschen Zugang zu den medizinischen Leistungen verschafft werden, die eine private Krankenversicherung bietet.

Weitere Informationen: Private Krankenversicherung.