Forward-Darlehen – wozu und wie kann es effektiv eingesetzt werden?
Montag, 02. April 2012Ein Forward-Darlehen (oder auch Vorratsdarlehen) ist im Prinzip ein herkömmliches Annuitätendarlehen, jedoch werden die Konditionen im Voraus (also vor Inanspruchnahme des Darlehens) fixiert. Die Vorlaufzeit kann dabei – je nach Kreditinstitut – bis zu 5 Jahre betragen. Damit eignet sich ein Forward-Darlehen insbesondere für Anschlussfinanzierungen und Finanzierungen, die erst in naher Zukunft realisiert werden sollen. Günstige Marktzinsen können ggf. so „eingefroren“ werden und die Planungssicherheit für eine Gesamtkostenkalkulation wird erhöht.
Allerdings hat diese Sicherheit einen Preis:
Die Aufschläge für den Ausschluss des Risikos steigender Zinsen betragen abhängig von der Länge der Vorlaufzeit und dem anbietenden Kreditinstitut 0,2 bis zu 0,9 Prozent. Vor dem Abschluss ist daher ein guter Marktüberblick, Wissen über die Zusammenhänge und Funktionsweisen am Kapitalmarkt und eine realistische Einschätzung der Höhe und des Zeitpunkts des benötigten Fremdkapitals notwendig. Lauten die Expertenerwartungen für den Marktzins nämlich nicht unbedingt auf steigend, kann es sich auch lohnen, noch abzuwarten.
Forwarddarlehen Vergleich
Wie bei einem Annuitätendarlehen auch, müssen vor dem Abschluss entsprechende Angebotsvergleiche durchgeführt werden. Zu diesem Zweck sollte vor der Anfrage ein einheitliches Anfragekonzept unter Berücksichtigung der persönlichen Verhältnisse entworfen werden, damit später ein effektiver Vergleich durchgeführt werden kann.
Bei Forward-Darlehen sind – wie bei Annuitätendarlehen auch – durchaus individuelle Vereinbarungen mit dem Kreditinstitut möglich: So können beispielsweise Tilgungssätze flexibel gestaltet werden oder kostenlose Sondertilgungen bis zu 5 % p.a. vereinbart werden. Viele Anbieter bieten bereits im Internet entsprechender „Forward-Darlehen-Rechner“ an, mit denen schon einmal grob ausgerechnet werden kann, welche Belastungen auf den Kreditnehmer zukommen. Freilich berücksichtigen diese Rechner nicht die individuelle Situation (Bonitätseinstufung, Vermögensverhältnisse usw.) des Kreditnehmers, die ebenfalls Einfluss auf den später zu zahlenden Zins haben.
(Berlin, 15.09.2011) Aktuell befinden sich die Bauzinsen noch immer auf einem sehr niedrigen Niveau. Historisch betrachtet gab es nur sehr wenige Zeiträume mit derart niedrigen Zinssätzen. Experten gehen davon aus, dass sich dies in absehbarer Zeit ändern wird. Eine Leitzinsanpassung im Sinne einer Zinserhöhung durch die europäische Zentralbank (EZB) soll erwartete inflationäre Einflüsse bremsen und so die Verbraucherpreise auf einem verträglichen Niveau halten. Finanzmarktpolitische Einflüsse bedingen oft schnelle Reaktionen der EZB, um das Abtriften in ein negatives wirtschaftliches Umfeld zu bremsen bzw. zu unterbinden. Für Kunden mit bestehender Immobilienfinanzierung empfiehlt es sich daher nach Ansicht von vielen Marktbeobachtern, genau zum jetzigen Zeitpunkt die Bedingungen und Konditionen für eine Anschlussfinanzierung zu prüfen. Nach Abwägung der Marktbedingungen herrscht allgemein der Konsens, dass in Bälde mit Zinserhöhungen in der Eurozone zu rechnen ist. Sehr wahrscheinlich kann also durch eine zügige Entscheidung eine nicht unbeträchtliche Summe an Zinsaufwendungen gespart werden.
